08.09.2021 Von Valdeblore über die Ligurische Grenzkammstraße nach Panice Sottana bei Limone Piemonte

Der Tag beginnt wieder mit einem guten Frühstück. Thomas wird noch einige Kilometer mit mir fahren und dann zum Baden ans Mittelmeer bei Menton fahren. Ich will mich mit Carsten am Einstieg in die Ligurische Grenzkammstraße am südlichen Ende, an der Kreuzung SP 67 und SP65 zwischen Molini di Triora und Pigna treffen. Es ist für jeden von uns ein ganzes Stück zu fahren. Mein Tank muß auch noch gefüllt werden und die Tankstellen sind hier nicht so häufig anzufinden. Ich komme auch durch das Royatal, hier gab es im Oktober 2020 ein schlimmes Unwetter. Die Schäden die die sintflutartigen Regenfälle angerichtet haben sind unbeschreiblich. Solche Verwüstungen kennt Deutschland seit 2021 auch. Wassermassen hatten auch in Frankreich, Bäche zu reißenden Fluten anwachsen lassen. Alles was im Weg war wurde mitgerissen, ob Autos, Häuser, Straßen, einfach ALLES. Die Schäden sind natürlich noch deutlich erkennbar. Ich habe nur ganz wenige Bilder gemacht. Teilweise stehen noch halbe Häuser am Rand der Verwüstung. Es ist unvorstellbar welche Gewalt die Natur hier aufgebracht hat. Der Anblick macht mich zu tiefst betroffen. 
Über kleinste Serpentinen  komme ich durch Weinberge an den verabredeten Treffpunkt. Ich muß noch eine Stunde warten bis Carsten eintrifft. Diese kleinsten Straßen durch die Berge halten unheimlich auf. Das Wetter schlägt leider etwas um und die Sonne weicht bedecktem Himmel. Hoffentlich gibt es nicht noch Regen. Mein Navi hat beim Einstieg noch die Route drauf, nach wenigen Kilometern verschwindet der Track. So warte ich immer wieder an Abzweigungen auf Carsten, sein Navi hat die Route noch drauf. Unterwegs treffen wir einen Beta-Fahrer aus dem Erzgebirge. Er fährt hier seit Jahren durch die Wälder im Urlaub. Wir treffen in mehrfach an Weggabelungen unterwegs wieder. Er wußte genau wo wir lang mußten, ich fühlte mich manchmal verraten und verkauft ohne jegliche Route auf dem Navi. Die Strecke war teilweise sehr beschwerlich. Es ging bergan und der Untergrund war recht stufig und ließ sich sehr bescheiden fahren. Von den Schlägen des durchdrehenden Hinterrads, den Steinen die gegen den Unterfahrschutz schlugen bis zu den Ausweichmanövern vor den Steinbrocken auf dem Weg war es für Material und Mensch wirklich anstrengend. Als wir über eine Bergkamm hinweg waren wurde das Gelände etwas offener und wesentlich einfacher zu fahren. Die holprige Strecke steckte uns aber in den Knochen. Mein Navi zeigt auch wieder Wege an, so daß auch ich wieder sehen konnte wo es vielleicht hingehen soll. Es waren insgesamt nur 4 Motorräder, die uns bisher begegnet sind , deshalb hatte ich ständig Zweifel ob wir denn richtig sind. Ich glaube es waren fast zwei Stunden nach dem Start vom Treffpunkt als wir endlich an der südlichen Moutstation der LGKS  angekommen sind. Zu unserer großen Freude konnte man hier sogar Kaffee bekommen. Carsten hatte uns online am Tag zuvor angemeldet und so konnten wir dann auch problemlos in den kostenpflichtigen Teil einfahren . Das Wetter war heute leider nicht mehr so schön wie die Tage zuvor. Aber es blieb die ganze Zeit über trocken. Der Weg war anfänglich wie ein normaler Waldweg und ließ sich problemlos fahren. Später wurde es wieder etwas holprig aber längst nicht so schlimm wie der erste Teil. Der Schotter war an ein paar Stellen wirklich grob. Die Steine waren faustgroß und dem entsprechend war auch die Fahrsituation. Irgendwann kam uns dann auch tatsächlich ein Motorradfahrer entgegen. Wir waren bisher stolz diesen Weg gemeistert zu haben. Als wir nun aber sahen, was uns da entgegen kam waren wir echt verblüfft. Eine vollverkleidete R1 mit einem riesen Berg an Gepäck und normaler Straßenbereifung kam uns hier freundlich grüßend entgegen. Ich war wirklich beeindruckt, ich wäre niemals mit so einer Maschine hier entlang gefahren. 

Der Teil zwischen den Moutstellen war relativ schnell gefahren und endete dann schließlich oben am Fort Central du col de Tende.  Hier machten wir natürlich auch die üblichen Fotos. Inzwischen dämmerte es und es wurde kalt hier oben. Unten in Panice wartete Thomas bereits im Restaurant auf uns. 
Er berichtete von einer wilden Bergungsaktion oben in der Nähe vom Fort. Dort war ein Fahrer einer anderen Gruppe auf einem Schotterstück samt Maschine einen Abhang hinuntergestürzt . Zum Glück hatte der Fahrer nicht viel abbekommen und die Maschine war auch noch fahrbereit. Zu dritt hatten sie die Maschine mit einem Spanngurt wieder auf den Weg hochgezogen. Für solche Fälle habe ich auch immer Schlaufen, wie sie zum Befestigen auf der Bahn benutzt wurden dabei. Denn damit kann man schnell Haltepunkte am Rahmen oder der Gabel schaffen um ziehen zu können. Das Bier am Abend schmeckte besonders gut.

Ich fahre hier wo früher Häuser gestanden haben

Treffpunkt und zugleich Einstieg in die LGKS von Süden.

 

Ein Gedanke zu „08.09.2021 Von Valdeblore über die Ligurische Grenzkammstraße nach Panice Sottana bei Limone Piemonte“

  1. Hi Micha,
    du hast ja wieder mal tolle Beiträge verfasst. Macht richtig Spaß zu lesen und erinnert uns an alte Zeiten….
    Damals sind wir auch schon mal die einschlägigen Pässe der französischen Alpen gefahren. Sehr eindrucksvoll deine Fotos von den Straßen und Pisten.

    Viele liebe Grüße Wolfgang ( natürlich auch Britta)

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