19.12.2017 Von Tarifa nach Moulay Bousselham

Der Wecker klingelte bereits um 06:30 Uhr und eigentlich wäre ich gern liegen geblieben. Denn richtig gut geschlafen habe ich nicht. So viele unterschiedliche Erzählungen was die Grenze zu Marokko betrifft,  von den  Verständigungsschwierigkeiten bis zur Schikane. Da kommt man schon etwas ins Grübeln, wenn man ganz allein reist. Nun denn, ich habe es mir ja so ausgesucht. Das war die beste Idee gestern schon das Ticket vom Schalter zu holen. So konnte ich ganz entspannt in den Hafen fahren und war pünktlich um 08:00 Uhr auch dort. Ich war der Zweite, die Ersten waren meine Mitbewohner im Hotel. Engländer die mit einem Mitsubischi Geländewagen sogar noch vor mir aufgebrochen waren. Man sah mich mit dem Motorrad auf die Schranke zu kommen und sofort kam eine junge Frau auf mich zu. Sie fragte ob ich ein Ticket habe und mit etwas Stolz verkündete ich, yes I have! Sie kontrollierte es und sagte, dass die Schranke in 15 Minuten öffnen würde. So brauchte ich nicht mehr losgehen und mich um irgendetwas anderes kümmern. Die Schranke öffnete sich und ich konnte bis zum Schiff vorfahren. Dann ging es gegen 08:30 Uhr los, ich fuhr als erster an Bord. Die Maschine wurde auf den Hauptständer gestellt, ein dickes Teppichstück wurde über den Sitz gelegt und ein richtig guter Spanngurt darüber befestigt. Das Moped stand bomben fest, da man hinten auch noch einen Keil hinter gelegt hatte. Ich ging nach oben schaute mich um und suchte mir einen Platz aus. Schade war, dass die Scheiben so dreckig waren und ich beim Umschauen den marokkanischen Zoll zuerst übersehen habe. Die Scheiben haben mich gestört weil ich kein vernünftiges Foto machen konnte. Ich sitze so gemütlich auf meinem Platz und habe mich gefragt wie denn der Zoll die Passagiere abfertigen will. Plötzlich wurde es laut wie verrückt, eine Horde von bestimmt 50 Jugendlichen, vielleicht 12 bis max. 15 Jahre alt stürzte herein. Unvorstellbar was das  für ein Lärm war. Du dann wunderte ich mich warum die auf der anderen Seite der Aufenthaltshalle in einer Reihe standen. Da es bestimmt nichts für umsonst gab, konnte es eigentlich nur die Zollabfertigung sein. Und richtig, sie stellten sich alle ordentlich an, zum Glück ließen sie etwas Platz zu einigen anderen Fahrgästen. Ich schnappte mir meine wichtigsten Sachen, habe Jacke, Helm und meine kleine Tasche einfach auf dem Sitz liegen lassen und mich ganz dreist zu den anderen vor der Horde gestellt. Der Lehrer schaute mich etwas komisch an, dass ich dort auf einmal stehen blieb. Ich tat so als wenn ich da schon mal gestanden hätte und kam zum Glück vor der Horde durch die Abfertigung. Zum Glück hatte ich auch den Zettel richtig ausgefüllt und wurde ohne Beanstandung abgefertigt. Die Überfahrt ging in Sekunden. Abfahrt 09:00 Uhr, Ankunft 09:00 Uhr, die Uhr wurde wieder um eine Stunde zurück gestellt, genau die Fahrzeit der Überfahrt. Drüben angekommen alles wie immer auf den Fähren, unten ist noch alles zu, aber die ersten stehen schon bei der Einfahrt in den Hafen im Niedergang. Ich komme ins Fahrzeugdeck und fahre dann tatsächlich als letzter von Bord. Fahrzeuge waren es wohl aber auch nicht so viele. Dann kaum vom der erste der den Pass sehen will, gut zeigen wir und dürfen weiter fahren. Überall stehen Männer in Warnwesten die mich bis zum Zoll winken. Dort kaum abgestiegen drückt mir schon ein Zollmitarbeiter die Zettel für die Fahrzeuganmeldung in die Hand. Auch so einen Zettel hatte ich schon einmal gesehen, so dass ich ihn fast richtig ausfüllte. Dann waren alle verschwunden und ich mußte suchen wo ich hin soll. Der Chef der Truppe schickte mich zur Polizei, die machte aber nichts mit mir, so ging ich wieder zu ihm. Er nahm mir die Zettel (fünfach, wie in Südamerika) ab und sagte ich solle warten. Gut warten, dann kam er wieder, ging vor mir aber nach rechts und schnappte sich erstmal einen Holländer den er an die Seite fahren ließ. Er dirigierte ihn ganz genau, mit Nachsetzen und Korrektur, da war schon klar die Beiden schließen keine Freundschaft. Dann kam er zu mir mit einem anderen Mitarbeiter, zeigte mir das Formular und zeigte mir wo die Zollnummer aus dem Pass reingesollt hätte. Ich gleich kleinlaut sorry, er nahm einfach meinen Stift ließ sich die Nummer vorlesen von seinem Mitarbeiter und schickte den dann zum Stempeln. Dieser kam wieder gab seinem Chef die Zettel, der gab sie mir und wünschte mir eine gute Fahrt. Dann drehte er sich um und wollte immer noch mit meinem Kugelschreiber in der Hand weg gehen. Ich fragte ob ich den denn zurück bekomme und er rückte ihn wieder raus, fragte aber ob ich denn nur den einen habe, ich sagte leider und die Sache war erledigt. Kontrolliert wurde ich überhaupt nicht, die wichtigste Frage war an uns alle, ob wir eine Drohne dabei hätten. Die will man in Marokko überhaupt nicht haben. Das Navi war schon programmiert, wollte aber nicht auf die Route gehen. Ich hatte aber auch das Hotel eingegeben und das hat das Navi akzeptiert. Es ging aus dem Hafen ca. 400 m nach links weg, Rabat war auch ausgeschildert, als mich das Navi nach rechts schickt. Ich habe irgendwann mal versucht anders zu fahren und es hat nicht funktioniert, also folgte ich der Anweisung nach rechts. Die Straße wurde kleiner, sie wurde enger und schließlich fuhr ich eine steile Straße hoch und landete mehr oder weniger auf dem Fischmarkt. Irgendwo vor mir fuhr noch ein Moped und dem bin ich hinter, das war auch die Richtung vom Navi. Nach einigen Metern durch die Verkaufsbuden wurde kam ein Kreisel in den mußte ich rein und schon war ich wieder auf einer normalen Straße. Manchmal muß man einfach Mut zur Lücke haben, geschaut haben die einheimischen jedenfalls nicht schlecht als ich da durchgefahren bin. Ich glaube da ist noch nie einer von außerhalb durchgefahren. Nach einigen Kilometern sah ich rechts einen Geldautomaten, nichts wie hin und erstmal marokkanisches Geld geholt. Nun konnte ich schon etwas durchatmen. Nun fehlte nur noch die Telefonkarte zum Aufladen. Mit der von meiner Bekannten konnte ich leider nichts anfangen und an der ersten Tankstelle hatten sie auch keine. So fuhr ich erstmal aus Tanger raus, was schon einige Zeit in Anspruch genommen hat. Ich nahm die Autobahn die mir allerdings schnell zu langweilig wurde. Die erste Abfahrt kam allerdings erst nach gefühlten 30 Kilometern und die habe ich auch genommen. Gleich erstmal rein in die Stadt die dort war, es muß irgendwo ja einen Laden geben mit Marokko-Telekom. Ich fand auch einen Laden, der hatte aber kein Marokko Telekom, also wieder aus und weiter. Da spricht mich natürlich jemand an, wir sprechen etwas über dieses und jenes auf miserablem Englisch. Ich frage ihn dann nach einem Telekom Laden und er sagt, kein Problem. Er zeigt mir einen Platz wo ich das Motorrad stehen lassen kann und organisiert gleich einen der ein Auge darauf hat. Anschließend laufen wir in die direkte Kernstadt, durch Gassen und Winkel. Nun gut abgeschlossen habe ich ja und der Rest ist unter Verschluß. Er ist in einer Tour in einem grausamen Englisch am reden und versucht mir die ganze Zeit irgendwelche Tarife zu erklären. Letztendlich bekomme ich alles was ich brauche und es funktioniert dann auch alles. Wie lange kann ich natürlich nicht sagen, aber ich glaube an einen ehrlichen Kerl geraten zu sein. Natürlich erklärt er mir wie gut er alles gemacht hat und bekommt dann auch seinen Obolus. Ohne ihn hätte ich das mit der Frau in dem Laden überhaupt nicht hinbekommen, geschweige den Laden erst gar nicht gefunden. Zufrieden verabschiede ich mich bei ihm, der die ganze Zeit erzählt was für ein toller Kerl er doch ist und dass er sich den Obolus doch wirklich redlich verdient hat. Ungläubig schaut er mich immer wieder an, ob ich das auch so sehe wie er und bekräftigt es abermals. Schließlich sitze ich drauf bedanke mich nochmals und kann endlich fahren. Erstmal raus aus der Stadt und dann durchatmen. Selten, dass mich Leute mit ihrem Redefluß so genervt haben. Als die Bebauung zu Ende ist halte ich erstmal an und muß was ausziehen. Denn während der Tour durch die Stadt hatte ich natürlich die volle Montur an und in der Stadt war es recht warm. So brauchte ich erstmal dringend Luft und mußte erstmal alles wieder so ordnen, dass ich später auch wieder mit meinen Sachen klar komme.

Von der Autobahn war ich ja bereits abgefahren und bin nun auf der Landstraße gelandet. Irgendwann halte ich an einer Art Parkplatz an und mache mir erstmal nen Kaffee und esse zwei süße Milchbrötchen vom gestrigen Einkauf. Auf so einen Platz fahre ich nie wieder, alles voller Glassplitter, Blechreste und anderem Unrat. Müll liegt in den bewohnten Gegenden überall in Unmengen herum. Auch in freie Wildbahn entledigen sich hier einige Leute einfach des Unrats und Hausmülls, von leeren Plastikflaschen ganz abgesehen. Mein Weg führt mich durch landwirtschaftlich genutzte Flächen bis zu meiner Unterkunft für heute Nacht. Diese mußte ich aber erstmal finden, beim ersten Vorbeifahren hatte ich diese glatt übersehen, bzw. die Schrift nicht gleich erkannt. Ich schaue mir das Zimmer an, nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich umwerfend. Dann das gemeinschaftlich genutzte Bad und WC, das ist soweit in Ordnung. Dann zeigt mir der Junior des Hauses den Gemeinschaftsraum mit offenem Kamin und allem was dazu gehört. Von hier aus gelangen wir über die Terrasse in den Garten. Dieser liegt ca. 40 m oberhalb vom Strand also mit freiem Blick auf den unten tosenden Atlantik. Eine geniale Aussicht, die ich hier so nicht erwartet hätte. Das Motorrad darf ich in der Garage unterstellen, draußen hätte ich auch wirklich Bedenken gehabt. Hier lungern überall Männer und junge Kerle rum denen ich nicht über den Weg traue. Soviel Armut wie hier draußen, durch diese ländliche Gegend, habe ich das letzte Mal wohl in Südamerika gesehen. Ich bin dann nochmal an den Strand runter gestiegen. Hier hat der Atlantik sich die unteren Betonstufen schon wieder zurückgeholt bei einem der letzten Stürme. Im Ort selber, dort wo ich bei der Einfahrt schon geschäftiges Treiben gesehen hatte ging ich auch noch vorbei. Es ist hier wirklich erstaunlich was die Leute hier an den Mann bringen wollen. Alles alte Sachen, gebrauchte Kleidung, Töpfe, Kühlschränke und anderen Hausrat. Und dann wieder überall diese rumlungernden Männer und Halbstarken. Abends würde ich hier nicht vor die Tür  gehen wollen. Mit meinem Motorrad muß ich hier etwas ganz seltenes sein, die schauen immer alle als wenn ich vom Mond komme. Morgen soll es nach El Jadida gehen, dort werde ich wohl das IBIS nehmen. 

Sonnenaufgang über Afrika von Tarifa aus aufgenommen.
Blick von der Terrasse der Unterkunft!


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