24.12.2017 Heiligabend in Afrika

Für heute habe ich mir einen Ausflug ins Paradies Valley in gut 15km Entfernung ausgesucht. Zumindest die Straße dort hoch will ich mal fahren. Das eigentliche Valley ist nur zu Fuß zu erreichen und führt zu dieser Jahreszeit auch bestimmt nicht das Wasser, was es dann sehr sehenswert macht. Es geht gleich an der nächsten Kreuzung  ab in die Berge. Überall wo ich entlang komme grüße ich die Leute, außerhalb der Städte, mit einem Lächeln auf dem Gesicht grüßen fast alle zurück oder winken sogar. Das ausgesuchte Ziel ist recht schnell erreicht, zumindest der Beginn des Tales von dem das Valley abgeht. Die Straße führt von oben runter in eine Art Oase. Hier fließt ein Fluß durch und Palmen säumen dessen Ufer. Da heute Sonntag ist, sind überall Familien mit Picknick-Sachen unterwegs. Von Weihnachten merkt hier keiner etwas, im Hotel steht zwar ein Weihnachtsbaum aber die machen hier keinen Aufriß davon. Das Tal wird enger und die Felswände höher. Der Fluß muß wenn es geregnet hat oder vielleicht sogar im Frühjahr, gigantische Wassermassen mit sich führen, heute ist er nur ein großes Rinnsal. An vielen Stellen stehen wieder Palmen an den Ufern und kleine Bars haben sich an einigen exponierten Plätzen niedergelassen. Eine hat sogar eine natürliche Klimaanlage, dort stehen die Stühle im Bachbett, so dass man gleich die Füße umspült hat. An dem Einstieg ins Valley der übliche Ansturm von Touristen. Unterwegs sind mir schon immer wieder Kleinbusse mit selbigen begegnet. Dann mußte ich oder die Busse kurz an die Seite fahren und warten, denn an vielen Stellen paßt man nicht nebeneinander durch. Hinter dem Valley geht es dann stramm in die Berge hoch. Für die Kurven sowie die Aussicht hat sich die Fahrt hier hoch absolut gelohnt. So fahre ich einfach weiter und genieße die Landschaft und die Fahrt. Inzwischen merke ich wie es kühl wird und schalte aufs Thermometer um, 12°C werden angezeigt, ich schalte am Navi die Höhenangabe ein und bin erstaunt, 800m Höhe. Die Straße führt weiter nach oben und ich folge ihr in der Hoffnung einen schönen Ausblick zu erhaschen. Dann habe ich das Gefühl ich bin ganz oben und sehe auf der Anzeige 1380m Höhe. Der Ausblick ist herrlich, ganz hinten sieht man die etwas schneebedeckten Ausläufer vom Atlas. Die Straße führt nur über Serpentienen wieder hinunter ins nächste Tal mit einem verträumten Dorf. Anschließend geht es wieder steil hinauf und es wird wieder sehr frisch, kein Wunder nun bin ich auf knapp 1700m Höhe. Im nächsten Tal ist dann eine Grotte Wintimduine ausgeschildert. Ich habe ja Zeit, also biege ich ab und nehme Kurs auf die Grotte. Es geht wieder steil bergauf bis der Teer vorbei ist und es auf Schotter bis zum Parkplatz geht. Dort kommt ein junger Mann zu mir und ich rechne mit der üblichen Parkgebühr. Er begrüßt mich freundlich und ich frage ihn wo denn die Grotte sein. Er zeigt den Berg hinauf und deutet eine Entfernung von einem Kilometer an. Ich erahne den Platz der Grotte, der ca. 150-200m höher liegen muß. Zu Fuß mit den dicken Klamotten hier in der Sonne nicht machbar, es sei denn man will im eigenen Saft baden. Der Schotterweg zur Grotte ist durch eine Kette abgesperrt. Der Parkplatzwächter deutet mir aber an, daß ich da auch hochfahren könne, ich schaue ihn ungläubig an und frage nach. Er bestätigt erneut, dass es möglich sei, auch mit der großen Maschine. Also Mut zur Lücke und los. Neben der Kette ist genug Platz für mich und schon fahre ich stehend den steilen schmalen Schotterweg hinauf. Einige Leute die sich zu Fuß hier hoch quälen schauen mir neidisch hinterher. Auf dem Weg steht seit Stunden die Sonne, so ist es hier recht warm. Nach wenigen Minuten bin ich an der Grotte bzw. dem Platz davor angekommen. Und ich traue meinen Augen nicht, hier stehen sogar Autos. Ich glaube die heißen Berlingo, sind recht schmal und haben irgendwie auch den schmalen Weg hier hoch geschafft. Vor der Grotte ist ein Wasserbecken und überall drumherum sitzen Familien und viele junge Leute und genießen den Ausblick und den Ort. In die Grotte bin ich nur wenige Meter hineingegangen, es ist einfach zu dunkel hier drin. Mit der Taschenlampe vom Handy sehe ich rein garnichts und die Lampen der anderen Leute hier drin sind auch so schwach, dass alle mehr oder weniger im Allradmodus hier lang kriechen und stolpern. So gehe ich wieder hinaus, allzu tief scheint es auch nicht hinein zu gehen. So, mein Navi hat bei der Fahrt vom Parkplatz hier hoch angezeigt, dass es noch weiter nach oben gehen soll, an der Abzweigung wenige Meter vor dem Platz der Grotte. Ich folge dem Weg weiter nach oben, wobei der Begriff Weg absolut übertrieben ist. Eselpfad wäre treffender, es geht über Schotter und teilweise blanken Felsen in Serpentienen weiter und weiter nach oben. Traumhafte Ausblicke bieten sich mir hier. Dann bin ich auf einem Hochplateau und es ist plötzlich kein Weg oder Pfad mehr erkennbar. Kurz zuvor sah es auf dem Navi noch so aus als würde der Weg wieder auf eine Hauptstraße führen. Nun war davon nichts mehr zu sehen. Irgendwo sah ich einen Bauern der mit seinem Esel sein Feld pflügte, dort fuhr ich über die Ebene hin. Ich stellte den Motor ab, nahm Blickverbindung zum Bauern auf und deutete fragend in die Richtung wo ich eine Straßenanbindung vermutete. Er winkte und zeigte auch in die Richtung. So fuhr ich einfach weiter über das Plateau und siehe da, so etwas wie ein Pfad war wieder erkennbar. Wenige Meter später auch wieder nicht mehr. Langsam fragte ich mich, was denn sein würde, wenn ich hier jetzt Probleme hätte. Unbehagen überkommt mich da schon etwas. Den Bauern zurück kann ich schon einige Zeit nicht mehr sehen und nun geht es auch noch gut bergab. Ich glaube richtig zu sein und will noch um den Hügel herum fahren und zur Not anschließend umdrehen, wenn kein Weg erkennbar ist. Seit der Grotte sind gut 20 Minuten vergangen in denen ich immer gefahren bin. Das Navi zeigte keinen Weg an, die Hauptstraße muß irgendwo hinter dem nächsten Tal verlaufen. Als ich um den Hügel herum komme sehe ich einen Hof hier mitten im Nichts. Sogar ein Telegraphenmasten steht hier und versorgt den Hof wohl mit Strom. Jemand transportiert dort auch Steine und ich fahre hin. Der Mann kommt sofort zu mir und begrüßt mich freundlich per Handschlag. Ich frage ihn mit Gesten und Händen und Füßen ob es denn einen Weg hier raus gibt. Er zeigt in die Richtung in die auch schon mein Motorrad steht und deutet an, immer weiter und weiter. Ich bedanke mich, er winkt nochmal freundlich und schon geht es über losen Untergrund recht steil bergab. Nach weiteren 5 Minuten erkenne ich ein Dorf und finde sogar wieder einen Schotterweg. Auch das Navi zeigt nun wieder etwas an, Erleichterung macht sich breit. Ich sehe Menschen und Autos und atme erstmal tief durch. Die Autos scheinen hier aber nur zu Besuch zu sein. Eines hat den Kofferraum auf und es stehen lauter Kinder drumherum, es sieht fast wie Bescherung aus, jedes Kind geht mit einer Tüte davon. Ich folge nun dem Weg noch gute 10 Minuten mit zügiger Fahrt bis zur Hauptstraße. Nun kann ich endlich auf dem Navi sehen wo ich tatsächlich bin. Nach weiteren 25 Minuten fahre ich wieder an der Stelle vorbei, wo ich vor fast zwei Stunden zur Grotte abgebogen bin. Diesmal folge ich der Straße und komme über Agadir wieder zu meiner Unterkunft zurück. Aus den ursprünglich angezeigten 15 km sind dann doch 200 km geworden. Gestartet war ich kurz nach 10:00, nun war es 16:30 Uhr und ich auch geschafft. Als Weihnachtsbraten gab es bei mir eine Tajine mit Hühnchen, absolut lecker. Dann habe ich noch Weihnachtsgrüße verschickt telefoniert und bin irgendwann zufrieden ins Bett gegangen. Ein schöner Heilgabend geht zu Ende.



Natürliche Klimaanlage








Ein Stück vom Eselpfad
Wilde Bestien sind mir auch begegnet!

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