18.04.2018 Von Ano Pedina nach Berat in Albanien

Am gestrigen Abend fand ich dann auch den Grund warum mein hinterer Reifendruck etwas abgesackt war. Mal wieder ein Nagel, ich ließ ihn einfach drin und habe beschlossen erstmal so weiter zu fahren. Er ist auch recht dünn, mal sehen was passiert. Die Grenze erreichten wir wie immer über sehr kurvige Straßen. Die Formalitäten waren schnell erledigt und wir waren alle zum ersten Mal in Albanien. Die Straße war am Anfang recht durchwachsen, aber hoch interessant an einem riesigen Flußbett entlang. Wir hielten an um zu Tanken und konnten erstaunlicher Weise mit Euro bezahlen und bekamen albanisches Wechselgeld. Der Liter Benzin liegt bei 1,30 €. Danach hielten wir um einen Kaffee zu trinken. Ich habe schon an vielen Orten und Ländern Kaffee bestellt, aber so schwierig wie hier war es noch nie. Der gute man erzählte mir etwas von den unterschiedlichsten Arten der Zubereitung soviel verstand ich von den Worten und Gesten. Schließlich bekamen wir drei türkische Kaffee, besser als nichts. Wenige Kilometer später hielten wir erneut um uns mit albanischem Geld zu versorgen, denn in abgelegenen Orten dürfte es schwierig werden mit Euro als Bezahlung. Ich holte allerdings nur umgerechnet für 40,-€ albanisches Geld. Der Routefinder hatte sich für die SHA 74 entschieden, wir stimmten zu und so folgten wir ihm und seinem Navi.  Es ging dann von der Hauptstraße runter. Die ersten 10 Kilometer waren auch immer noch Teeranteile als ehemaliger Straßenbelag erkennbar. Dann wurde es zum Kiesweg mit Löchern und letztendlich zu einer grandiosen Offrad-Piste. Anders kann man diesen Weg, der angeblich die SHA 74 sein soll nicht bezeichnen. Wir folgen diesem Weg Stunde um Stunde. Können dabei unbeschreibliche Aussichten in den kurzen Stopps genießen.  Während der fahrt gebührt unsere ganze Aufmerksamkeit den grauenvollen Wegverhältnissen. Es geht Steigungen hoch und durch holperige Spitzkehren sowie auch gelegentlich wieder bergab. Ein paar mal sind wir sogar an Häusern oder besser an zwei Ansammlungen von Häusern, die ggf. Orte sei sollten entlang. Große Augen schauten uns in dem einen an. An den unübersichtlichen Stellen bin ich dann mal vorgefahren um den Weg zu erkunden. Als wir alle Drei oben waren, fuhr der Routefinder mit seiner BMW F 700 GS mit normaler Straßenbereifung wieder voran. Es war mega anstrengend und die Abstände der Pausen kürzer. Teilweise zweifelten wir fast auf dem richtigen Weg zu sein. Dann geschah das Unglaubliche! Ein Mercedes Bus mit 16 Sitzplätzen kam uns auf dieser Straße entgegen. Wo er her kam und wo er hin fuhr war uns ein Rätsel. Der Fahrer grüßte freundlich mit Lichthupe und Hand und fuhr ganz langsam den Weg, den wir gerade gekommen waren. Nun fing es auch noch zu regnen an. Schnell verpackten wir die Kameras, leider weit ins trockene Gepäck. Wir bogen irgendwo mal wieder rechts ab und verließen den Weg auf dem wohl tatsächlich ab und an mal Verkehr durch kommt. Nach einer steilen Abfahrt und einigen sehr engen Serpentienen auf diesem nun etwas besseren Eselpfad war klar, hier müssen wir nun durch, komme was wolle. Ein Umdrehen wäre hier nicht mehr möglich gewesen. Den Berg wären wir wohl alle Drei nicht wieder hochgekommen. Der Weg näherte sich dem Tal. Hoffnung keimte auf. Wir kamen sogar wieder an vereinzelten Häusern vorbei. Konnten in der Nähe Leute bei der Feldarbeit sehen. Ungläubig schauten sie hinter uns her. Der Weg bekam ein paar matschiger Stellen dann größere und dann riesige Pfützen. Sogar Bachdurchfahrten mit erheblicher Strömung von drei bis vier Meter breite gesellten sich dazu. Die Bachdurchfahrt teste ich am linken Rand zu Fuß, von rechts kam die Strömung. Dort schien es auch erheblich tiefer zu sein. So fuhr ich vor und die Beiden folgten meiner Spur. Wenig später dann eine Pfütze von gut 30 Metern Länge. An eine Durchwarten dachte ich überhaupt nicht, dass wäre vergebene Mühe gewesen. Links daneben gab es einen Getreideacker mit einem mini Trampelpfad. Diesen nutzten wir dann und kamen nach ca. 5 Stunden und irgendwo zwischen 65-70 Kilometern wieder in der Zivilisation in Berat an. Ich glaube an mir war nicht ein Stück Stoff mehr trocken. Nein nicht wegen Regen sondern durch Schweiß. Inzwischen war die Sonne wieder herausgekommen und wir hatten irgendwo bei gut 20°C. Am ersten Kaufmannsladen deckten wir uns erstmal mit Getränken und etwas Verpflegung ein. Nun sollte es eigentlich unkompliziert zur Unterkunft gehen. Wir dachten sie würde in einem Vorort von Berat liegen. In Berat änderte das Navi kurzfristig die Richtung und es ging wieder in enge Gassen, dann recht gut hoch, dann steiler hoch bis der Routefinder am halben Hang rechts vor eine Einfahrt fuhr und anhielt. Ich folgte ihm schon stehend, sah, daß er in einer Sackgasse steckte und gab nochmal richtig Gas und fuhr den steilen Weg einfach weiter nach oben. Es ging nur noch ein Trampelpfad weiter, mit Fliesenscherben und anderem Bauschutt sowie Müll. Nach weiteren 15 Höhenmetern und ca. 100m Pfad hatte ich wieder eine Berggasse gefunden und angehalten. Ein Einheimischer saß dort auf einer Mauer und sah mich total erschrocken an, wie ich denn diesen Weg lang kommen konnte. Wir begrüßten uns kurz, ich ließ mein Motorrad stehen und ging zu den Beiden zurück. Die drehten schon die Motorräder um den Weg wieder nach unten zu fahren. Wir verabredeten uns  bei der Unterkunft und so fuhren wir getrennt weiter. Ich irrte dann durch diese steilen Berggassen die voll mit Häusern waren. Ich fuhr auch über den Berg hinüber. Oben drauf schien eine Art Burg zu sein, von dort kamen Besuchergruppen zu Fuß herunter.  Das Navi zeigte mir immer wieder den Weg in diese Burg oder Wallanlage. Nach weiteren 5 Minuten Fahrt teilweise durch grüne Trampelpfade am Hang faßte ich mir ein Herz und brauste einfach stehend diesen steilen Weg den zuvor Fußgänger genommen hatten Richtung Burg. Plötzlich steht Arno vor mir und winkt. Die Unterkunft soll oben in der Wallanlage sein, hatte er unten erfahren. So fuhren wir dort hinein wo zuvor Schaaren an Touristen her kamen. Es war tatsächlich richtig und wir hatten unsere absolut spitzen Unterkunft Hotel Klea gefunden. Erschöpft ließen wir den Tag beim hervorragenden albanischen Essen ausklingen.

Nachtrag: Die SH 74 wird neben einigen anderen im Netz auch als Deathroad von Albanien geführt. Das erklärt nun auch den Zustand. In sämtlichen Navis wurde sie allerdings als normale Straße angezeigt.













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